Die meisten Menschen wünschen sich, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben. Auch dann noch, wenn Altersgebrechen oder Krankheit das selbständige Leben stark erschweren. Wie erleben Sie das in der Praxis?

Peter Eckert: Das ist auf jeden Fall der Wunsch von vielen Betroffenen und ihren Angehörigen. Es gibt in der Schweiz eine Befragung vom Bundesamt für Gesundheit die besagt, dass deutlich über 70 Prozent der Menschen zu Hause sterben möchten.

Cornelia Kaya: Und wir schaffen die Rahmenbedingungen, damit das Leben zu Hause möglichst lange gewährleistet ist.

 

Anspruchsvoll wird das bei demenzkranken Patienten. Welche Möglichkeiten gibt es, damit sie weiterhin zu Hause leben können?

C.K: Hier spielt das Umfeld eine ganz entscheidende Rolle. Also Angehörige, Nachbarn, Freunde. Ein grosses Netzwerk hilft, damit Demenzbetroffene möglichst lange und mit guter Lebensqualität zu Hause leben können.

Zudem stellen wir fest, dass es für Menschen mit demenzieller Erkrankung und ihre Angehörigen einen weiteren Ausbau der Spitex-Angebote braucht. Die Betreuung, die Art und Weise sowie die Dauer des Einsatzes sind bei demenzkranken Menschen ganz anders. Auch die Angehörigenarbeit spielt eine zentrale Rolle, auf die wir stark eingehen müssen.

P.E: Der Sicherheitsaspekt muss bei demenzkranken Patienten ebenfalls sehr stark miteinbezogen werden. Dafür gibt es auch technische Hilfsmittel wie etwa eine Sicherung für die Herdplatte oder einen Notrufknopf.

 

Was ist für Sie anders an der Betreuung von Demenzpatienten?

C.K: Die Bezugsbetreuung ist sehr wichtig. Das bedeutet, dass immer dieselben Personen die Demenzbetroffenen betreuen. Ein grosser Unterschied ist sicherlich auch die Einsatzlänge. Ein Einsatz bei einem demenzbetroffenen Menschen gestaltet sich nie nach Plan. Man muss zuerst erklären wer man ist, um was es geht und dann auf die aktuelle Befindlichkeit eingehen und sehr situativ handeln. Die Demenz verändert sich ständig und die Einsätze müssen laufend den neuen Situationen angepasst werden.

P.E: Die Unterstützung und Beratung der Angehörigen ist im Demenzbereich zentral. Für die Angehörigen ist die Situation oft belastend und die täglichen Anforderungen hoch. Demenz ist ein stetiger, oftmals auch schmerzhafter Prozess. Wir begleiten und unterstützen die Angehörigen dabei.

C.K.: Wir kennen oder gestalten sogar selber Angebote, die einerseits Angehörige für einige Stunden entlasten und gleichzeitig die soziale Teilhabe von Menschen mit demenziellen Erkrankungen ermöglicht. Erwähnt sei das Sing-Café im Quartier Oberstrass zusammen mit der Kirchgemeinde oder vom Kunsthaus Zürich das lustvolle Entwickeln einer gemeinsamen Geschichte zu einem ausgewählten Kunstwerk unter fachkundiger Anleitung.

 

Gibt es den Zeitpunkt, an dem ein Leben zu Hause nicht mehr möglich ist?

C.K: Nein, den gibt es nicht. Solange sich die Menschen zu Hause sicher fühlen und die Willenskraft haben, dass sie selbständig leben möchten, geht das auch. Viel öfter kommt dieser Punkt von den Angehörigen. Nämlich dann, wenn die Betreuung deren Kräfte übersteigt. Für die Angehörigen ist das eine extrem schwierige Situation, wenn sie sich eingestehen müssen, dass es nicht mehr geht. Sie fühlen sich oftmals gescheitert, haben ein schlechtes Gewissen und wissen nicht, wie weiter. Ob und wann dieser Punkt kommt, lässt sich meist nicht voraussehen.

P.E: Wenn Angehörige an ihre körperlichen Grenzen kommen oder finanzielle Umstände einen Übertritt in die stationäre Langzeitpflege nötig machen, hilft uns das Wissen um die Biographie des Patienten, gemeinsam mit den Angehörigen und behandelnden Ärzten eine gute Betreuungseinrichtung zu finden.