Ein Griff an den Rücken, ein schmerzverzerrtes Gesicht, ans Weitermachen ist nicht zu denken. Der Wettkampf ist vorzeitig zu Ende. Ein klassisches Bild. Doch wieso leiden ausgerechnet Sportler häufig unter Problemen am Kreuz?

Arjen van Dujin, Dozent des Instituts für Physiotherapie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW): «Insbesondere Spitzensportler, gehen immer an ihre körperlichen Grenzen. Dabei wird der Rücken regelmässig Höchstbelastungen ausgesetzt.»

Bei Breitensportlern bestehen Rückenprobleme oftmals darin, dass die Sportler zu unvorbereitet in die Saison gehen. «Spitzensportler sind sich bewusst, dass ihre Wirbelsäule stark belastet wird und dass sie sich ausreichend vorbereiten müssen – auch um ihre Leistung zu verbessern. Breitensportlern fehlt häufig dieses Bewusstsein und sie vernachlässigen eine solide Vorbereitung. Dadurch ist das Verletzungsrisiko gross.»

Prävention ist wichtig

Umso wichtiger ist es, präventiv gegen Rückenbeschwerden vorzugehen und den Rücken gezielt zu stärken. «Entscheidend ist, die Stabilität im Rücken und Rumpf zu fördern», so van Duijn.

Zahlreiche Studien konnten aufzeigen, dass verminderte Stabilität und Reaktionsfähigkeit der Rumpfmuskulatur ein erhöhtes Risiko für Knieverletzungen darstellen und dass Rumpfkrafttraining verletzungspräventiv wirksam ist.

Leistungsfähigkeit steigern

Die Stabilität der Wirbelsäule ist nicht nur das A und O bei der Prävention von Rückenverletzungen. Auch die Leistungsfähigkeit wird durch eine stabile Basis gefördert. Denn im Bereich der Lendenwirbelsäule liegt unser Körperschwerpunkt.

Dort ist der zentrale Angriffspunkt für all unsere Bewegungen und nur wer hier absolut stabil ist, kann gezielte, kraftvolle Bewegungen mit Armen und Beinen ausführen. Unzureichende Koordination und Kraft der Rumpfmuskulatur beeinträchtigt einerseits die Leistung und kann anderseits durch ungünstige Krafteinwirkung auf die Wirbelsäule zu Beschwerden führen.

Individuelles Training

Das präventive Therapiekonzept zielt laut van Duijn auf das Training der grundmotorischen Eigenschaften, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit und Koordination in Bezug zur Wirbelsäule ab. Eine erste Komponente bezieht sich denn auf die Wahrnehmungsschulung der Haltung und Bewegung der Wirbelsäule. «Der Sportler nimmt dabei eine bestimmte Position der Wirbelsäule ein und versucht diese zu halten. Dabei werden auch kleine Muskelgruppen aktiviert», so van Duijn.

Das Training besteht weiter aus dem Aufbau der Belastung, bei welcher vermehrt grosse Muskelgruppen aktiviert werden. «Die dritte Komponente fokussiert sich auf Bewegungsabläufe, bei denen die Wirbelsäule selbst bewegt wird.

Auch Übungen, die der sportspezifischen Bewegung ähnlich sind, aber noch einen allgemeinen und kräftigenden Charakter haben, spielen eine wichtige Rolle», erklärt van Duijn. Die letzte Komponente integriert vermehrt die Bewegungsgeschwindigkeit in die Übung und enthält sportspezifische Bewegungsabläufe.

Wichtig ist, dass die Übungen durch einen Physiotherapeuten überwacht werden. «Damit sich keine Fehler bei der Ausführung der Übungen einschleichen. Denn diese können sich wiederum negativ auf den Rücken auswirken», so van Duijn abschlies­send.