Ergonomische Mängel bei der Arbeit verursachen Beschwerden und Erkrankungen bis hin zur Invalidität. In erster Linie sind muskuläre Verspannungen die Folge.

Eine ungünstige Haltung kann zu weiteren Gesundheitsproblemen wie Abnützung der Wirbelsäule oder entzündlichen Prozessen wie Sehnenscheidenentzündungen führen. «Entweder beginnen die Beschwerden schleichend wie bei einer Arthrose, oder sie zeigen sich nach einer Überbelastung wie etwa bei einem Bandscheibenvorfall oder dem Tennisellbogen.

Dabei sind es oft akute, stechende Schmerzen, die den Gang zum Arzt nötig machen», sagt Verena Langlotz Kondzic. Gerade im Falle von muskulären Ereignissen sei die Chance, die gesundheitlichen Probleme wieder in den Griff zu bekommen, hoch. Ein gutes Zusammenspiel zwischen Arzt und Ergo- beziehungsweise Physiotherapie hilft, eine chronische Schmerzsituation rasch zu stabilisieren.

Der behandelnde Therapeut forscht dabei gezielt nach Ursachen im Alltag der betroffenen Patienten und kann dadurch die Probleme vom Ursprung her angehen.

Diese Faktoren sind auch bei den degenerativen Gelenkbeschwerden wichtig. Dort spielt aber neben den Verhaltensänderungen auch die Anwendung von Medikamenten eine wichtige Rolle.

Das Verhalten ändern

Zu den Risiken beim Einsatz von Medikamenten lässt man sich am besten vom behandelnden Arzt beraten. «Bei chronisch-entzündlichen Prozessen kann bei guter Behandlung eine vollständige Heilung eintreten.

Oft sind die Medikamente aber über einen längeren Zeitraum nötig und zudem macht eine Verhaltensänderung bei den betroffenen Patienten einen grossen Teil des Erfolgs aus», betont Verena Langlotz Kondzic. Bei Abnützungserscheinungen wie der Hüftarthrose lässt sich mit entsprechenden Medikamenten und ebenfalls neu gelerntem Verhalten der Prozess zwar verlangsamen, aber nicht aufhalten.

Mit den heutigen operativen Möglichkeiten gibt es jedoch berechtigte Hoffnung, dass Funktionen, die im Alltag wichtig sind, erhalten werden können.
Klug ist, wer allfälligen Erkrankungen und Beschwerden vorbeugt.

«Wenn man schon bei der Anschaffung auf sinnvolle Produkte achtet, die den Körper nicht unnötig belasten, wie zum Beispiel handliche und nicht zu schwere Haushaltgeräte oder ergonomisch einstellbares Büromobiliar, ist man auf dem richtigen Weg», rät die diplomierte Ergotherapeutin.

Idealerweise erhält man zusätzlich von einer Fachperson eine Einführung in den korrekten Gebrauch der Produkte und setzt sich auch mit den Verhaltenselementen, dem Gelenkschutz, auseinander. Ein weiterer Anker für die Prävention wie auch im kurativen Bereich bildet Bewegung.

Bewegungskurse wie sie beispielsweise die Rheumaliga anbietet, sind ideal für Menschen mit Beschwerden an Knie, Rücken und Schulter. Denn Bewegung stärkt die Muskulatur, schmiert die Gelenke und senkt die Schmerzschwelle.

Wiederholte Schulungen

Wie stark die Belastung des Körpers ist, hängt von der jeweiligen Tätigkeit ab. Ein Büroarbeitsplatz bringt andere Anforderungen mit sich als ein Steharbeitsplatz in einer Produktionsstrasse. Tatsache indes ist: Muskuloskelettale Beschwerden im Rücken und den oberen Extremitäten haben in den letzten Jahren zugenommen.

Solche Beschwerden schränken das Leistungsvermögen der betroffenen Erwerbstätigen ein und sind Ursache für einen Grossteil der gesundheitsbedingten Arbeitsabsenzen. Sie verursachen betriebliche und volkswirtschaftliche Kosten in Milliardenhöhe.

Eine Seco-Studie zeigt: 18 Prozent der Erwerbstätigen leiden an arbeitsbedingten ­Rückenschmerzen, 13 Prozent an arbeitsbedingten Muskelschmerzen, 26 Prozent aller krankheitsbedingten Arbeitsabsenzen sind auf muskuloskelettale Erkrankungen zurückzuführen. «Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich sehe, dass Firmen sehr wohl bereit sind, in gutes Arbeitsmaterial zu investieren.

Das Knowhow, wie man dieses am besten einsetzt, wird hingegen höchstens einmal vermittelt», so der Kommentar von Verena Langlotz Kondzic. Dabei sei bekannt, dass aus pädagogischer und verhaltenspsychologischer Sicht wiederholte Schulungen effektiv sind.

«Wichtig ist, dass Vorgesetzte ihre Vorbildfunktion wahrnehmen und sich aktiv um Lösungen kümmern. Am besten wird ein Arbeitsplatz systematisch angeschaut, um Veränderungen mit allen Beteiligten in die Wege zu leiten.»

Tipps und Tricks

Dazu ein paar Tipps von der erfahrenen Ergotherapeutin. «Inspizieren Sie kritisch Ihren Arbeitsplatz. Oft gibt es im Internet einfach umsetzbare Tipps, wie man je nach Beruf den Arbeitsplatz optimal auf seinen Körper einrichten kann.»

Sinnvoll sei auch Abwechslung in der täglichen Arbeit. Am besten vermeidet man statische, sich wiederholende Tätigkeiten. «Verschieben Sie Ihren Drucker im Büro, dann erhält der Körper Gelegenheit, aufzustehen und sich mehr zu bewegen.»

Stichwort Kraft sparen und Gelenke schonen für die Hausarbeit und den Alltag: «Benutzen Sie bei Gelenkbeschwerden zum Öffnen von Flaschen und Einmachgläsern Alltagshilfen.

Einfach auf die Zähne beissen lohnt sich langfristig nicht», so Langlotz Kondzic. Und ganz wichtig: Regelmässige Bewegung beugt vielen Problemen vor und kann sogar schlechte Verhältnisse am Arbeitsplatz kompensieren.

Verena Langlotz Kondzic ist diplomierte Ergotherapeutin und MAS in Gesundheitsförderung und Prävention bei der Rheumaliga Schweiz.