Die wirksamste Prävention ist der sofortige Rauchstopp

Lungenkrebs ist primär eine Erkrankung von Rauchern und älteren Menschen. Studien belegen, dass selbst ein Rauchstopp nach langjährigem Rauchen sowie in fortgeschrittenem Alter zu einer deutlichen Senkung des Lungenkrebsrisikos führt. Ausserdem wird diskutiert, ob starke Raucher in regelmässigen Abständen mittels einer Computertomographie auf Lungenkrebs untersucht werden sollen.

Eine vielbeachtete Studie zeigte kürzlich, dass durch regelmässiges CT-Screening von Rauchern vermutlich bis zu 20 Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs verhindert werden können», betont PD Dr. med. Oliver Riesterer, Radio-Onkologe FMH am Universitätsspital Zürich.

Ob diese Studie ausreicht ein allgemeines Screening einzuführen ist jedoch umstritten. Ein Problem ist die grosse Anzahl an unklaren Befunden, die bei diesen Computertomographien entdeckt werden und die zum Teil invasive Abklärungen erfordern. In den allermeisten Fällen erweisen sich diese unklaren Befunde im Nachhinein als nicht bösartig.

Dadurch werden die Patienten nicht nur einem Stress und einem Risiko für Komplikationen durch die Abklärungen ausgesetzt. Es werden auch grosse Kosten verursacht. «Aus diesen Gründen wird das Screening mittels Computertomographie bisher noch nicht empfohlen.»

Mehrere Disziplinen beteiligt

Rund 20 Prozent aller Fälle von Lungenkrebs treten bei Nichtrauchern auf. In den letzten Jahren konnte gezeigt werden, dass Lungenkrebs bei Nichtrauchern häufiger mit bestimmten erworbenen genetischen Veränderungen assoziiert ist.

Weist das Tumorgewebe diese Mutationen auf, kann eine bestimmte medikamentöse Therapie, die speziell bei Vorliegen dieser Mutationen wirksam ist, angewendet werden. Selten tritt Lungenkrebs im jüngeren Erwachsenenalter auf und praktisch nie bei Kindern und Jugendlichen.

Bei der Behandlung von Lungenkrebs sind primär die Disziplinen Chirurgie, Radio-Onkologie und medizinische Onkologie beteiligt, in der Diagnostik ausserdem die Pneumologie, die Radiologie sowie die Nuklearmedizin.

An modernen Kliniken werden die Patienten in interdisziplinären Tumorkonferenzen besprochen, und es werden individuell abgestimmte Therapieentscheide getroffen. Die Chirurgie und die Radiotherapie sind lokale Therapieverfahren.

Bei der Operation wird der Lungenanteil, in dem sich der Tumor befindet, chirurgisch entfernt, während die Radiotherapie auf eine vollständige Eliminierung der Tumorzellen durch hochenergetische Röntgenstrahlen abzielt. Im Gegensatz dazu wirkt die Chemotherapie systemisch, das heisst im ganzen Körper.

Bessere Heilungschancen

«Frühstadien des Nichtkleinzelligen Lungenkrebses werden soweit möglich operativ mit oder ohne Chemotherapie behandelt, während fortgeschrittene Stadien sowie Patienten mit kleinzelligen Karzinomen einer Kombination aus Radiotherapie und Chemotherapie zugeführt werden», erläutert Riesterer.

Die Chemotherapie wird dabei bevorzugt niedrigdosiert parallel zur Radiotherapie verabreicht und hat zum Ziel, die Wirkung der Radiotherapie auf die Tumorzellen zu verstärken. Zunehmend werden auch alle drei Modalitäten miteinander kombiniert.

Ziel dieser so genannten multimodalen Behandlung ist, das Therapieergebnis zu optimieren, das heisst die Chance auf Heilung zu verbessern. Alle drei Therapiemodalitäten haben in den letzten Jahren Fortschritte gemacht. Auf dem Gebiet der medikamentösen Behandlung wurden zum Beispiel neue und besser wirksame systemische Therapien entwickelt.

Ein Beispiel dafür sind in Tablettenform vorliegende Medikamente, die ein bestimmtes Molekül auf Tumorzellen angreifen und dadurch die Tumorzellen zerstören. In der Chirurgie wurden neue Verfahren entwickelt, wie zum Beispiel roboterassistierte Operationstechniken.

Kleine Tumoren entfernen

In der Radiotherapie konnten ebenfalls zahlreiche technische Verbesserungen eingeführt werden. Mit Hilfe enorm gestiegener Computerleistung kann eine Bestrahlung heutzutage intensitätsmoduliert, das heisst mit besserer Anpassung an das Zielvolumen bei gleichzeitig optimaler Schonung der umliegenden Organe, verabreicht werden.

Die so genannte atemabhängige Bestrahlung gleicht die atmungsbedingte Bewegung von Lungentumoren aus. Moderne Bestrahlungsgeräte haben ausserdem eine integrierte Bildgebung, mit deren Hilfe der Tumor dreidimensional kurz vor oder während der Bestrahlung dargestellt werden kann. «Bei modernen Bestrahlungen werden alle diese technischen Neuerungen kombiniert.

Seit einigen Jahren wird zur Behandlung von kleinen inoperablen Lungentumoren die so genannte Hochpräzisionsbestrahlung angewendet. Mit diesem Verfahren können kleine Lungentumoren in drei bis vier Sitzungen mit einer sehr hohen Bestrahlungsdosis entfernt werden», erklärt Oliver Riesterer. Dabei werden bei guter Verträglichkeit sehr hohe Tumorkontrollraten erzielt.

Ob dieses Verfahren bei sorgfältig ausgewählten Patienten die Chirurgie ersetzen kann, wird derzeit in grossen Studien in Nordamerika und Europa untersucht.