Unser Skelett versteckt sich hinter Haut, Muskeln und Fett. Unauffällig, bis zum Zeitpunkt, an dem wir spüren, dass etwas nicht stimmt. Dann tuts plötzlich weh, und wir merken, dass da ja noch etwas ist: unser Skelett und unsere Gelenke, meist still, doch enorm wichtig für unsere Lebensqualität.

«Pflegen Sie Ihr eigenes ‹Fahrgestell› ebenso liebevoll wie das Ihres Autos!»

Wenn wir Schmerzen spüren, dann merken wir, dass der Knochen lebt und Pflege braucht und dass wir ihm von Kindheit an Sorge tragen sollten. Oder haben Sie gewusst, dass der menschliche Knochen mit 30 Jahren ausgewachsen ist und danach der natürliche Abbau einsetzt?

Alles, was wir bis dahin versäumen, kann sich in späteren Jahren rächen, in den Wirbeln, in den Gelenken. Und das geht meist einher mit argen Schmerzen.

Darum ist ein neues Gelenk- und Knochenbewusstsein dringend nötig – schon im jugendlichen Alter. Ernährung und Bewegung entscheiden über das spätere Wohlbefinden und mehr Lebensqualität im Alter. Knochen- und Gelenkschmerzen behindern die Mobilität und lassen Menschen vereinsamen.

Osteoporose, die schleichende Krankheit der brüchigen Knochen, betrifft das ganze Skelett und entsteht, wenn stoffwechselbedingt mehr Knochensubstanz ab- als aufgebaut wird. Mit zunehmendem Alter steigt das Erkrankungsrisiko – und wenn die Krankheit der brüchigen Knochen einmal da ist, dann hilft nur noch die Behandlung.

In der Schweiz sind rund 600'000 Menschen von der Krankheit der brüchigen Knochen betroffen, doppelt so viele Frauen wie Männer. Osteoporose verursacht nebst grossem Leiden auch riesige Kosten für unser Gesundheitswesen; Experten gehen von rund einer Milliarde Franken pro Jahr aus. Diese setzen sich aus den Akutspitalkosten, den Rehabilitationskosten und den immensen Kosten für die Langzeitpflege zusammen.

Viele Betroffene landen nämlich im Rollstuhl oder in der Pflegeabteilung. Die medikamentöse Behandlung der Osteoporose macht nur gerade rund zwei Prozent der Gesamtkosten aus.

Was heisst das für die Zukunft? Auch Politiker und Gesundheitsbehörden spüren Probleme oft erst dann, wenn es wirklich wehtut. Knochenbewusstsein, Ernährungsbewusstsein, Bewegungsbewusstsein – all das müsste eigentlich in den Schulen gelehrt werden.

Wer seine Gelenke und sein Skelett, sein privates «Fahrgestell», in der Jugend pflegt, der betreibt damit seine ganz persönliche Altersvorsorge. Denn mit genügend Kalzium und Vitamin D, die zum Knochenaufbau nötig sind, mit einer bewussten Ernährung und möglichst viel regelmässiger Bewegung sorgt man vor, dass der natürliche Knochenabbau nach dem 30. Lebensjahr langsamer vor sich geht.

Natürlich melden sich die Gelenke und Knochen meist trotzdem irgendwann, dies muss aber nicht zwingend mit viel Schmerzen verbunden sein. Die Medizin macht jährlich Fortschritte und hilft mit individuell angepassten Therapien, wenn Schäden auftreten.

Die medikamentösen Therapien bei Osteoporose zielen primär darauf ab, den erhöhten Knochenabbau zu verlangsamen.

Die Patientenorganisation Osteoswiss setzt sich seit 20 Jahren für Betroffene und Interessierte ein und bietet Hilfe zur Selbsthilfe. Genauso stark organisiert sie sich aber auch für die Aufklärung, damit akute Ereignisse gar nicht erst eintreten, probiert Jugendlichen und Erwachsenen die Bedeutung der Knochengesundheit zu vermitteln und ist mit Publikumsanlässen und sogar an Tanzveranstaltungen mit den Happy Bones hautnah bei der Bevölkerung.

Unsere Gesellschaft muss also ein Knochenbewusstsein entwickeln für einen Körperteil, der meist ein unsichtbares Leben führt. Denken Sie doch an das Fahrgestell Ihres Autos: Sie pflegen das Fahrzeug, tragen Sorge dazu.

Doch wehe, es tönt anders als normal oder es harzt im Getriebe: Dann eilen Sie sofort zum nächsten Garagisten. Hat das Fahrgestell von Autos also mehr Aufmerksamkeit verdient als Ihr eigenes?