Herr Professor Attin, was empfehlen Sie zur Zahnprophylaxe?

Zähneputzen! So banal das klingt, Zähneputzen ist die beste Prophylaxe zur Vermeidung von Karies und entzündlichen Zahnfleischerkrankungen. Dabei kommt es nicht in erster Linie darauf an, ob mit klassischer oder elektrischer Zahnbürste gereinigt wird.

Vielmehr muss die Qualität beim Zähneputzen gewährleistet sein. Das heisst, dass man sich auf das Zähneputzen konzentriert und darauf achtet, dass jede Zahnfläche 10 bis 15 Sekunden gründlich geputzt wird.

Für die meisten Schweizer ist eine gute Mundhygiene eine Selbstverständlichkeit

Dies gilt vor allem für schwer erreichbare Bereiche in der Mundhöhle. Da sich auf der Zunge ebenfalls viele Bakterien ansiedeln, empfehle ich, diese mit einem Zungenschaber zu reinigen.

Für die Zahnzwischenräume eignen sich sowohl Zahnseide oder Interdentalraumbürsten – je nach Abstand der Zahnzwischenräume.

Bei der Zahnpasta gilt: Sie sollte ein hohes Nutzen- und ein geringes Schadenspotential haben. Wir raten von abrasiven Whitening-Zahnpasten ab, da diese den Zahnschmelz und das Zahndentin verletzen können. Wichtig ist, dass die Zahnpasta Fluorid enthält.

Können Zahnpflegekaugummis einen Beitrag zur Mundhygiene leisten?

Zahnpflegekaugummis können eine Zahnbürste zwar nicht ersetzen, doch können sie eine sinnvolle Ergänzung zur Zahnpflege darstellen. Jedenfalls, solange man zuckerfreie Varianten kauft. Das Kauen regt nämlich den Speichelfluss an, was einen positiven Einfluss auf die Zahngesundheit hat.

Weshalb erkranken die einen schneller an Karies als die anderen?

Eine sehr schwierige Frage, die nicht restlos geklärt ist. Es hängt viel mit der Bakterienzusammensetzung der Mundhöhle zusammen. Karies wird auch als eine durch Bakterien ausgelöste Krankheit definiert.

Gleichzeitig gilt Karies als Verhaltenserkrankung. Je nachdem welche Lebensmittel man isst, hat man eine unterschiedliche Bakterienzusammensetzung und neigt eher zu Karies.

So ist erwiesen, dass beispielsweise die Wachstumsrate der Karies verursachenden Laktobazillen direkt damit zusammenhängt, ob ein Mensch Lebensmittel isst, welche die Bakterien leicht verstoffwechseln können.

Ist das der Fall, nimmt ihre Zahl stark zu, und vor allem bereits vorhandene Karies schreitet weiter voran.

Wie steht es bei der Schweizer Bevölkerung um die Mundgesundheit?

Sehr gut, sie gehören europaweit zu den Vorreitern in Sachen Zahnpflege! Für die meisten Schweizer ist eine gute Mundhygiene eine Selbstverständlichkeit.

Dazu gehört auch der regelmässige Besuch bei der Dentalhygienikerin oder Prophylaxeassistentin und beim Zahnarzt.

Zum Schluss: Welche Lebensmittel sind besonders gut für die Zähne?

Die Frage ist nicht einfach zu beantworten, da es kaum wissenschaftlich fundierte Ergebnisse dazu gibt. Kalziumhaltige Produkte wie Joghurt und Käse scheinen bei einem Zahn mit Erosion bis zu einem gewissen Grad dafür sorgen zu können, dass dieser Zahn das fehlende Calciumphosphat ersetzen kann.

Gesunde Zähne werden allerdings nicht gesünder, da ihnen ja nichts fehlt. Auch Fette scheinen eine Schutzwirkung zu haben, denn sie legen sich als Film auf Zähne und Zahnfleisch, und das mögen die Kariesbakterien gar nicht.