Weshalb, Herr Seibold, werden bei der Therapie der Colitis ulcerosa auch Heidelbeeren eingesetzt?

Fast alle Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen werden erfolgreich mit klassischen immunmodulierenden Medikamenten behandelt. Substanzen aus der Natur wie Kurkuma oder Heidelbeerextrakt können zusätzlich unterstützend oder bei milden Erkrankungsverläufen sogar alleine eingesetzt werden.

Heidelbeeren enthalten viele Polyphenole, hauptsächlich die für die blaue Färbung verantwortlichen Anthocyane. Wegen der antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften der Anthocyane entschieden Schweizer Forscher, den Effekt des Verzehrs von Heidelbeeren bei Patienten mit chronisch-entzündlichem Darm, der Colitis ulcerosa, zu untersuchen.

In einer unkontrollierten Pilotstudie nahmen 13 an milder beziehungsweise moderater chronischer Darmentzündung leidende Testpersonen sechs Wochen lang eine tägliche Dosis von 160 Gramm eines standardisierten Heidelbeer-Extrakts zu sich. Die Resultate zeigten insgesamt eine signifikante Besserung der Symptome. Auch hat sich die subjektive Befindlichkeit der Patienten wesentlich verbessert.

Rund 80 Prozent der Teilnehmenden berichteten von einer Steigerung ihrer Lebensqualität verglichen mit ihrer Situation zu Studienbeginn. Objektive Entzündungsparameter hatten sich ebenfalls verbessert. Diese Ergebnisse werden aktuell in einer grossen, vom Schweizer Nationalfonds unterstützten Studie überprüft.

 

Was hat es mit der sogenannten Stuhltransplantation auf sich?

Die Darmflora spielt bei verschiedenen Darmerkrankungen eine massgebliche Rolle. Aus diesem Grunde wurde schon vor Jahrzehnten versucht, die Darmflora durch Stuhleinläufe zu normalisieren.

Bereits 1958 wurde die erste Stuhltransplantation durchgeführt. Neuere Daten zeigen, dass Patienten mit einer bakteriellen Durchfallerkrankung, die durch den Keim Clostridium difficile verursacht wird, durch eine Stuhltransplantation langfristig beschwerdefrei blieben. Auch bei Patienten mit Colitis ulcerosa wurde die endoskopisch durchgeführte Stuhltransplantation erfolgreich angewendet.

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht ganz geklärt. Die Darmflora setzt sich unter anderem aus vielen verschiedenen Bakterien und ihren Stoffwechselprodukten zusammen, die nützliche Funktionen für den Körper übernehmen sollen. So bilden einige Bakterien wichtige Nährstoffe wie das Vitamin K, während andere Bakterien helfen, Krankheiten abzuwehren.