«Die offene Operation am Hüftgelenk führt oft zu Problemen», sagt Balz Aklin, Leitender Arzt am Orthopädischen Zentrum Münsingen OZM und an der Swiss Sport Clinic in Bern. Denn ein so grosser Eingriff kann die Weichteile um die Knochen verletzen, was zu unwiderruflichen Schäden führt.

«Man muss eine Hüftoperation vor dem Hintergrund eines Patientenlebens betrachten. Wer sich in jungen Jahren bereits einer grossen Hüftoperation unterziehen musste, wird später selbst bei einem Hüftgelenksersatz kaum mehr ein befriedigendes Resultat erzielen.

Wenn die erste Operation jedoch mit einer Hüftspiegelung durchgeführt wird, ist eine weitere Operation weniger problematisch. Man hat eine andere Ausgangslage nach einer Spiegelung, weil die Weichteile unversehrt sind. Eine beschwerdefreie Hüfte ist nur mit intakten Weichteilen erreichbar», sagt Aklin.

Gelenk wird nicht offengelegt

Bei der Hüftspiegelung wird ein Arthroskop – vergleichbar mit dem Endoskop – in das Gelenk eingeführt und der Arzt kann mithilfe dieser und weiteren Spezialinstrumenten die Hüfte operieren, ohne das Gelenk offenlegen zu müssen.

Das Vorgehen ist schonender, aber nicht unbedingt einfacher. «Man muss die Technik beherrschen, hat man doch nicht viel Platz zum Operieren», sagt Aklin.

Er und Chefarzt Dr. Michel führen im OZM jährlich über 250 solcher Spiegelungen durch. Weil das Verfahren technisch schwierig ist und viel Erfahrung braucht, wird es in der Hüftchirurgie nur von hochspezialisierten Zentren angewandt.

Günstiger als offene Operation

Grundsätzlich ist die Hüftspiegelung bei denselben Krankheitsbildern angezeigt wie die offene Operation. Meist kommen die Patienten mit mechanischen oder Abnutzungsproblemen ins OZM oder in die Swiss Sport Clinic.

Aklin und Michel operieren sie erst, wenn ein gewisser Leidensdruck da ist. «Wenn wir nach einem MRI ein Krankheitsbild erkennen, der Patient aber keine Schmerzen verspürt, operieren wir nicht. Bevor man sich für einen Eingriff entscheidet, sollte man es in vielen Fällen mit Physiotherapie versuchen», sagt er.

Denn meist führen funktionelle Probleme zu den Beschwerden. Und diese Ursachen könnten mit dem richtigen Training teilweise behoben werden, so der Experte Aklin. Dasselbe gilt nach einer Operation: «Wenn eine vollkommen einseitige Muskulatur zum Leiden geführt hat, nützt es wenig, einfach zu operieren und das Problem danach als erledigt zu betrachten. Es braucht dann Physiotherapie, welche die Muskulatur wieder in Form bringt und die Muskelkraft ausbalanciert.»

Obwohl die Hüftarthroskopie eine komplexe Operation ist, ist sie im Vergleich zu anderen Optionen keine teure Therapie. Insgesamt ist sie rund sechs Mal günstiger als eine offene Operation.