In den 70er-Jahren wurden erstmals umfangreiche Untersuchungen zur Lebensweise und deren Konsequenzen auf Herz, Kreislauf und Krebs lanciert. Mit den daraus resultierenden Studien wurde zum Beispiel bewiesen, dass Rauchen Lungenkrebs und eine Verengung der Blutgefässe verursacht.

Auch der Stellenwert einer gesunden und ausgewogenen Ernährung musste zuerst durch Statistiken nachgewiesen werden. «Vor allem aber wurde dokumentiert, welche Faktoren das Risiko erhöhen, einen Herzinfarkt, Hirnschlag oder eine Hirnblutung zu erleiden», betont Matthias Kaelin, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter Wissenschaftlicher Dienst und Wissenschaftliches Marketing von Unilabs, Medizinische Analytik und Pathologie.

Ebenfalls belegt wurde, dass erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Rauchen und chronische Entzündungszustände, kombiniert mit Übergewicht und Bewegungsmangel, die Blutgefässe schädigen und zu deren Verengung beziehungsweise Verstopfung mit Fettstoffen und später Kalk führen.

«Viele dieser Erkenntnisse sind durch Laborbestimmungen überhaupt erst möglich geworden, denn die entsprechenden Symptome fehlten ganz oder stellten sich erst dann ein, wenn bereits eine Schädigung vorlag», sagt Matthias Kaelin.

Es gibt viele weitere Beispiele, wo Laborbestimmungen vor dem Auftreten einer Krankheit die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung aufzeigen. Das erlaubt es, geeignete Massnahmen zu treffen, damit es nicht so weit kommt.

Bewährte Tests

Homozystein etwa ist ein wichtiger Baustein im Umbau von Aminosäuren. Erhöhte Homozysteinwerte, die im Blut gemessen werden, sind häufig in der Schweizer Bevölkerung und meist eine Folge mangelnder Zufuhr des Vitamins Folsäure.

Homozystein gilt heute als unabhängiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Durch den industriellen Anbau von Nahrungsmitteln haben in den letzten Jahren die Vitaminkonzentrationen kontinuierlich abgenommen.

Das wirkt sich gerade bei älteren Patienten aus. «Man schätzt, dass rund zehn Prozent der Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufgrund von Gefässverengungen durch die Erhöhung von Homozystein mitverursacht werden», erläutert Matthias Kaelin. Durch die Abgabe von Folsäure und Vitamin B12 kann in solchen Fällen oft eine Minderung des Risikos erreicht werden.

Neuere Studien lassen den Schluss zu, dass die koronare Herzkrankheit auch eine chronische Entzündung ist. «Mit einem seit Jahren bewährten Labortest lässt sich nachweisen, dass über Jahre leicht erhöhte Werte des Eiweisses CRP mit häufigeren Problemen im Herz-Kreislauf-­Bereich verbunden sind», so Kaelin.

Nahrungsumstellung überlegen

Ein anderes bekanntes Beispiel ist die Fettsäurediagnostik im Blut, welche die wichtigsten Fettsäuren im Serum oder in den Blutzellen misst. Fettsäuren sind Bestandteile der Fette, die wir täglich mit der Nahrung zu uns nehmen und zum Teil auch selber im Körper produzieren. Sie sind in verschiedene Gruppen eingeteilt.

Es gibt gesättigte, einfach ungesättigte und mehrfach ungesättigte Fette beziehungsweise Fettsäuren. Bekannt sind heute vor allem die Omega-Fettsäuren, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, welche als Schutzfaktoren vor Arteriosklerose gelten, also «gute Fette», wie Kaelin sie bezeichnet: «Im Gegensatz dazu sind die Trans-Fettsäuren, eine spezielle Form von einfach ungesättigten Fettsäuren, gleichsam die bösen Fette, die eher eine Gefässverengung fördern können.»

Dies, so Kaelin, sei sicher grob vereinfacht: «Damit will ich aber sagen, dass man mit der Analyse der Fettsäuren die Anteile dieser schützenden und schadenden Fette beim einzelnen Menschen messen und daraus Ernährungsempfehlungen ableiten kann.»

Die meisten Labors liefern denn auch nicht nur die Resultate, sondern ausführliche Kommentare dazu, mit Angaben, in welchen Nahrungsmitteln welche Fette enthalten sind und wovon wir alle aufgrund der individuellen Werte eher weniger beziehungsweise eher mehr essen sollten.

«Fettsäurediagnostik allein ist sicher nicht das Allheilmittel und grundsätzlich nichts Neues», sagt Kaelin: «Sie kann aber gerade bei Menschen, die mit der Motivation Mühe haben, sich gesund zu ernähren, ein wichtiger Faktor und Gedankenanstoss sein, um sich ernsthaft eine Nahrungsumstellung zu überlegen.»

Günstig und überall erhältlich

Die Früherkennung von Krankheiten sei lange Zeit ein Stiefkind der Gesundheitspolitik gewesen, ruft Kaelin in Erinnerung. Heute wisse man um die Bedeutung von Labortests. Präventionskampagnen zur Früherkennung von Diabetes etwa können durch Labortests ergänzend unterstützt werden.

«Patientinnen und Patienten profitieren von diesen Untersuchungen, weil Vorstadien rechtzeitig erkannt und eliminiert werden können, die später fast sicher zu Gesundheitsstörungen führen», betont der Immunologe.

Heute seien viele dieser Labortests einfach, günstig und überall erhältlich. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet es allerdings auch, dass sich das Ganze mit dem Check-up nicht erledigt hat.

«Die erkannten Laborveränderungen, die ein Risiko zeigen, müssen zu einer Verhaltensänderung im Alltag führen und später kontrolliert werden, um zu eruieren, ob das Risiko abgenommen hat», sagt Matthias Kaelin. Insofern sei jeder Einzelne gefordert, seinen Teil zur Risikominderung beizutragen.