Das und noch vieles mehr führt offensichtlich zu Bauchweh, Allergie, Unwohlsein, Krebs. Dabei vergisst man anscheinend, dass die Lebenserwartung bei genau dieser Ernährung in den letzten 50 Jahren von 71 auf 84 Jahre angestiegen ist. So «gefährlich» scheint unsere Ernährung nicht zu sein. Trotzdem, Nahrung und Nahrungsbestandteile können Symptome oder sogar Krankheiten auslösen oder wenigstens unser Wohlbefinden beeinflussen.

Gerade Darmkrebs ist mit Vorsorgeuntersuchungen, wie Darmspiegelung oder einem einfachen Stuhltest in einer Vielzahl der Fälle verhütbar

Vor allem die Idee, mit Hilfe der richtigen Ernährung Krankheiten zu verhüten, ist bestechend. In den letzten Wochen wurde die WHO-Erklärung, dass rotes und verarbeitetes Fleisch ein wesentlicher Risikofaktor für das Kolonkarzinom sei, in der Presse hochgespielt.

Dabei ist diese Information seit vielen Jahren bekannt,  und was kann der «Konsument» und Patient damit anfangen? Man weiss, dass Nahrungsgewohnheiten länder- und kulturspezifisch und für den Einzelnen schwer änderbar sind.

Hinzu kommt, dass man nicht weiss, wie viele Jahre oder Jahrzehnte unseres Lebens wir fleischfrei oder fleischarm leben müssen, damit wir einen protektiven Effekt erreichen. Sicher hat es keinen Sinn, damit mit 50 zu beginnen und zu glauben, dann auf eine Vorsorgeuntersuchung verzichten zu können. Das scheint mir ein häufiger und gefährlicher Trugschluss zu sein.

Gerade Darmkrebs ist mit Vorsorgeuntersuchungen wie Darmspiegelung oder einem einfachen Stuhltest in einer Vielzahl der Fälle verhütbar. Diese Information sollte man nicht mit unsinnigen Empfehlungen verwässern.

Selbstverständlich ist eine ausgewogene massvolle Ernährung sehr wichtig für unsere Gesundheit. Gerade da scheint aber ein anderer Trend Hindernisse in den Weg zu stellen: Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien sind wortwörtlich in aller Munde. Wenn man all den Empfehlungen folgen würde, wäre eine ausgewogene Ernährung unmöglich zu erreichen.

Was ist wirklich erwiesen? Etwa 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung verträgt Milch nicht (Laktose-Intoleranz) und einer von 150 hat eine Weizenunverträglichkeit (genannt Zöliakie oder Sprue). Bei typischen Symptomen, zum Beispiel Blähungen, Durchfall oder Verstopfung, oder Wechsel von beidem, also Symptomen, die häufig an Reizdarm erinnern, sollte nach diesen beiden Nahrungsunverträglichkeiten gesucht werden.

Auch andere Nahrungsbestandteile, die unter der Abkürzung FODMAPs zusammengefasst werden, können schuld sein am Reizdarm und es lohnt sich, gelegentlich danach zu suchen. Wirkliche «Krankheiten», die durch Nahrung ausgelöst werden, sind echte Allergien, zum Beispiel gegen Nüsse oder Meeresfrüchte, und die bereits erwähnte Weizenunverträglichkeit (Sprue, Zöliakie). Beides ist selten und muss behandelt und abgeklärt werden.

Mit Abstand das grösste Problem unserer Nahrungsaufnahme ist nicht die Art der Nahrung, sondern die Menge. Übergewicht, vor allem auch bei Kindern, ist zu einem der grossen Gesundheitsprobleme aller westlichen Länder geworden. In der Schweiz sind bereits fast ein Viertel der 20-Jährigen übergewichtig, mit einem hohen Risiko für gewichtsbedingte Krankheiten.