Das Sehen wird von Fachleuten als das Komplexeste aller sechs Sinne bezeichnet.

Oftmals Fremdkörper als Ursache

Eine massgebende Ursache für Augenverletzungen sind nach den Erfahrungen von Dr. Stefan Locher Fremdkörper, die den Weg ins Auge finden, etwa bei Schleif- oder Holzarbeiten. Aber auch Komplikationen beim Einsetzen oder Entfernen von Kontaktlinsen können zu Oberflächenverletzungen des Auges führen.

«Sie verheilen aber glücklicherweise meist selbstständig.» Zum Genesungsprozess beitragen können bestimmte Augentropfen oder Gels, die lindernd und befeuchtend wirken. Zum Abschirmen von schweren Entzündungen durch eindringende Keime greifen Augenärzte gerne auf bewährte Antibiotika in Tropfen- und Salbenform zurück.

In eine noch schwerere Kategorie von Augenverletzungen sind Patienten mit Verätzungen aufgrund eines Säuren- oder Basenkontaktes einzuordnen. Auch stumpfe Aufpralle, hervorgerufen durch kleine Bälle wie beim Golfen oder Squashen, können gravierende Verletzungen am Auge verursachen.

Eine untergeordnete Bedeutung spielen inzwischen sogenannte Verblitzungen. Dazu kommt es, wenn das Auge selbst für kurze Zeit einem intensiven ultravioletten Licht ausgesetzt ist, zum Beispiel bei einem Blick in eine Schweissflamme. «Solche Augenverletzungen haben dank SUVA-Richtlinien und einer stärkeren Fokussierung auf die Arbeitsplatzsicherheit glücklicherweise stark abgenommen», hält Dr. Locher fest.

«Lieber einmal zu viel zum Arzt»

Augenverletzungen können alle Strukturen des Auges betreffen: Augenlid, Bindehaut, Hornhaut, Linse oder bis ganz nach hinten zur Netzhaut. Als Laie sei man meist nicht in der Lage, den Ernst einer Augenverletzung wirklich sofort zu erkennen.
 

«Bei Schmerzen im Auge sollte man nach einem Unfall immer einen Arzt konsultieren», gibt Dr. Stefan Locher seinen Patienten als Faustregel auf den Weg.
 

Und der zweite Tipp:
 

«Lieber einmal zu viel als zu wenig.»
 

Handle es sich beim Fremdkörper um Wimpern oder Insekten, könnten Betroffene versuchen, den Fremdkörper zuerst mit Wasser auszuspülen, sagt Locher. Eine Augenverletzung, welche bloss die Bindehaut betreffe, sei in aller Regel nicht so schlimm und heile oft wieder von selbst. Grössere Fremdkörper könnten hingegen auf der Hornhaut bleibende Schäden in Form von vernarbenden Kratzern verursachen und sollten daher vom Arzt beurteilt und entfernt werden.

Besondere Alarmsignale

Ein klarer Fall, der umgehend in ärztliche Hände gehöre, sei eine penetrierende oder perforierende Verletzung am Auge. «Hierbei drängt sich meist eine operative Versorgung auf.» Ein ernstzunehmendes Alarmsignal sei auch der Anstieg des Augendruckes nach einer Verletzung, der zu heftigen Kopfschmerzen führen kann und auf jeden Fall in ärztliche Behandlung gehört.

«Sieht der Patient plötzlich Doppelbilder, so muss nach einem Unfall immer auch an einen Bruch im Bereich der Augenhöhle gedacht werden, welcher zu einer Einklemmung von Augenmuskeln führen kann», betont er. Zu den schwersten Verletzungen zählten die Durchtrennung des Sehnervs. Im schlimmsten Fall könne dadurch ein Auge sogar erblinden.

Die Augen liessen sich nur bis zu einem gewissen Grad vor Verletzungen schützen. Immerhin, so gravierend die Verletzungen manchmal auch sein mögen: «In den allermeisten Fällen kann das Auge heutzutage gerettet werden», beruhigt Dr. Locher.