Stundenlanges Sitzen bei der Arbeit, wenig Bewegung, Fehlbelastung, falsche Haltung beim Tragen schwerer Lasten: Alle diese Tätigkeiten belastet unseren Rücken. So erstaunt es nicht, dass Rückenschmerzen zu den häufigsten Gesundheitsproblemen überhaupt gehören.

Eine effektive Trainingsmethode zur Vermeidung von Rückenschmerzen ist Pilates

Abnützungen an der Wirbelsäule und den Bandscheiben zeigen sich bei den meisten Menschen bereits zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Um die Abnützung aufzufangen, müssen die Rückenmuskeln vermehrt in Aktion treten. Sind diese nicht optimal trainiert, kommt es zu Überlastung und Verspannungen, zu Schmerzen. Die beste Prävention gegen Rückenschmerzen sind optimal trainierte Muskeln.

Eine effektive Trainingsmethode zur Vermeidung von Rückenschmerzen ist Pilates. Dabei werden alle tiefen Muskeln des Rumpfes trainiert, die bei einem normalen Fitnesstraining nie zum Zug kommen. Herkömmliche Sportprogramme aktivieren vor allem kurze, voluminöse Muskeln, die zu Verletzungen neigen.

Pilates dagegen verlängert und stärkt die Muskulatur, indem deren Elastizität sowie die Beweglichkeit der Gelenke aufgebaut werden. Keine Trainingsmethode geht so sanft mit dem Rücken um und stellt gleichzeitig eine so grosse Herausforderung dar. Pilates fördert die Entwicklung einer starken Körpermitte.

Das «Powerhouse» besteht aus den tiefliegenden Bauchmuskeln, der Muskulatur rund um die Wirbelsäule, des Schultergürtels und des Beckens. Logisch, dass Pilates auch von Physiotherapeuten immer öfter auch zur Rehabilitation von Rückenproblemen eingesetzt wird. Das beste Beispiel für die effektive Wirkung der Trainingsmethode ist der Erfinder selber: Joseph Hubertus Pilates, 1880 in Mönchengladbach geboren, war ein kränkelndes, schwächliches, asthma-geplagtes, rachitisches Kind. Doch er träumte davon, ein Athlet zu werden.

Den ersten Weltkrieg erlebte er als Internierter in einem englischen Lager. Und hier erfand er «sein» Gymnastik-Konzept. Mit Hilfe von Betten und deren Federn übten bettlägerige Mithäftlinge seine Körpermethode. Die heutigen Pilates-Geräte Cadillac und Reformer entstanden in dieser Zeit. Richtig erfolgreich mit seinem Trainingskonzept wurde der inzwischen nach Amerika ausgewanderte Joseph H. Pilates in New York.

In den Vierzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts war sein Studio die allererste Adresse. Nach seinem Tod geriet die Trainingsmethode in Vergessenheit, um dann in den Siebzigerjahren ein kraftvolles Revival zu erleben. Madonna, Sigourney Weaver, Tom Jones, John Travolta schworen auf die Methode und verhalfen damit Pilates zum allgemeinen Durchbruch.

In der Schweiz fasste die Methode in den Neunzigerjahren langsam Fuss. Die in Kanada geborene Fitnesstrainerin Karolina Schmid eröffnete als eine der ersten in Zürich ein Pilates-Studio. Heute bildet sie Physiotherapeuten, Hebammen und zukünftige Pilates-Trainer- und Trainerinnen in der Methode aus und arbeitet eng mit verschiedenen Klinken zusammen.

«Viele meiner Kunden kommen in meine Kurse, weil sie bereits unter Rückenschmerzen leiden. Und es ist immer eine grosse Befriedigung, wenn sie schon nach wenigen Stunden völlig schmerzfrei sind», erzählt Karolina Schmid.

Inzwischen bietet sie auch Kurse für Kinder (Kids-Pilates) und Senioren (Brain and Train) an. Auch die Verantwortlichen der Fitnessparks der Genossenschaft Migros Zürich, deren Qualitätssicherung Karolina Schmid im Bereich Pilates übernommen hat, erkannten den Trend und sind heute ein Pilates-Kompetenz-Center.

Sie bieten sowohl Mat-Classes, Kurse für Kleingruppen, Personal Training (Mat und Reformer) als auch Spezialkurse für Golfer an. Gerade diese Gruppe profitiert optimal von der Pilates-Methode, vor allem in der Prophylaxe.

Der Rücken ist bei dieser Sportart besonders gefordert und gefährdet. Der perfekte Swing gelingt nur mit einem starken Rücken. Das haben Golf-Champions wie Tiger Woods, Annika Sörenstam, David Duval oder Betsy King schon längst entdeckt und Pilates in ihr Trainingsprogramm integriert.