Weltweit betrifft jede zehnte Krebserkrankung den Darm. Bei Männern steht Darmkrebs an dritter Stelle, nach Lungen- und Prostatakrebs. Bei Frauen ist Darmkrebs die zweithäufigste Krebserkrankung nach Brustkrebs.

«Die Wahrscheinlichkeit ist folglich gross, dass Personen aus dem persönlichen Bekanntenkreis oder gar in der Verwandtschaft an Darmkrebs erkrankt sind», sagt der Präventivmediziner Felix Gutzwiller. Anders formuliert: Es kann jede und jeden von uns treffen.

Die Entwicklung von Dickdarmkrebs ist heute aber sehr gut erforscht. Dies insbesondere deshalb, weil die Schleimhaut des Darms mittels endoskopischer Methoden untersucht werden kann. Hinzu kommt, dass ein Darmkrebs verhältnismässig langsam wächst und dadurch gut definierte Etappen erkennbar sind.

Praktisch ausnahmslos beginnt jeder Darmkrebs in der Schleimhaut, und zwar in der Regel als harmlose Vorstufe. «Umso wichtiger ist es, dass Frauen und Männer ab dem 50. Lebensjahr regelmässig, das heisst im Schnitt etwa alle 10 Jahre, eine Untersuchung auf Darmkrebs vornehmen lassen», betont Gutzwiller.

Neben der Koloskopie, der Darmspiegelung, stehen dafür heute mehrere Methoden zur Verfügung.

Noch kein Routineverfahren

Die Darmspiegelung werde zwar weiterhin der Goldstandard sein, sagt Gutzwiller. «Allerdings nehmen nach wie vor zu wenige Personen im Alter ab 50 diese Vorsorgeuntersuchung in Anspruch.»

Das mag daran liegen, dass die Darmspiegelung häufig als unangenehm empfunden wird. Von Medizinern wird deshalb als Alternative ein Test auf Blut im Stuhl empfohlen. Es kann dabei aber gelegentlich zu missverständlichen Ergebnissen durch Hämorrhoiden oder andere Blutungen im Darm kommen.

Zudem sind solche Testverfahren immer auf das Vorhandensein einer Blutungsquelle im Darm angewiesen. Nicht blutende Polypen oder Darmtumoren können damit nicht erfasst werden. Neue Testverfahren, die nicht auf Blut im Stuhl angewiesen sind, werden deshalb zusätzlich evaluiert.

Je früher, desto besser

Weshalb die Darmkrebsfrüherkennung sinnvoll und notwendig ist, zeigen entsprechende Kennzahlen: Mit rund 4100 Neuerkrankungen jedes Jahr gehört der Dickdarmkrebs zu einer der häufigsten Krebserkrankungen in der Schweiz überhaupt. Jährlich sterben mehr als 1600 Menschen daran.

Gemäss Statistiken befanden sich zwischen 2003 und 2008 34 Prozent der 50- bis 69-jährigen Patientinnen und Patienten zum Zeitpunkt der Darmkrebsdiagnose bereits in einem weit fortgeschrittenen Krankheitsstadium, bei dem nur noch wenig Hoffnung auf Heilung stand. Wird Darmkrebs frühzeitig erkannt, sind die Heilungschancen hingegen intakt.

«Bei der Koloskopie kann nicht nur ein allfälliger Darmkrebs sehr häufig in einem sehr frühen und heilbaren Stadium gefunden, sondern durch die Entfernung der Vorstufen oft sogar verhindert werden»

Erfahrungsgemäss ist die Darmspiegelung die effizienteste Vorsorgeuntersuchung. «Bei der Koloskopie kann nicht nur ein allfälliger Darmkrebs sehr häufig in einem sehr frühen und heilbaren Stadium gefunden, sondern durch die Entfernung der Vorstufen oft sogar verhindert werden», betont Gutzwiller. Als Alternative kann der Stuhl alle zwei Jahre mittels eines Labortests auf verborgenes Blut untersucht werden.

Da aber auch die Bestimmung auf okkultes Blut Einschränkungen unterliegt und nicht blutende Polypen oder Darmtumoren übersehen werden können, wird ein Teil der Tumoren nicht rechtzeitig erfasst. Ein weiteres Testverfahren setzt deshalb auf den Enzym-Biomarker Pyruvatkinase M2. Dieser ist spezifisch für die veränderte Stoffwechselaktivität von Tumorzellen. Damit können auch nicht blutende Polypen und Darmtumoren erfasst werden.

Besonders erfolgreich

Langzeitstudien zeigen, dass Darmkrebsvorsorgeuntersuchungen sinnvoll sind und das Gesundheitswesen entlasten. Von den angebotenen Untersuchungsmethoden hat sich wenig überraschend die Darmspiegelung als besonders erfolgreich erwiesen. Statistiken weisen nach, dass bei einer Koloskopie am ehesten ein Karzinom gefunden wird sowie Krebs im Anfangsstadium entdeckt werden kann.

Alle bei der Endoskopie gefundenen Polypen werden als mögliche Vorstufen von Darmkrebs bei der Spiegelung abgetragen. Mittels der Darmspiegelung und Abtragung der Darmkrebsvorstufen kann die Gefahr, dass zu einem späteren Zeitpunkt ein Darmkrebs entsteht, um beinahe 70 Prozent reduziert werden. «Das Risiko, dass jemand an Darmkrebs stirbt, sinkt sogar um beinahe 90 Prozent», fasst Gutzwiller zusammen.