Etwa jeder fünfte Patient mit Psoriasis leidet im Krankheitsverlauf unter einer Psoriasis-Arthritis. «Bei den meisten Patienten tritt zuerst die Schuppenflechte und erst danach die Arthritis auf.

Zwischenzeitlich ist bekannt, dass sowohl die Psoriasis als auch die Psoriasis-Arthritis das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Arteriosklerose mit Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht», erklärt der Rheumatologe Dr. Martin Toniolo. Dies ist nicht nur darauf zurückzuführen, dass Patienten mit Psoriasis-Arthritis häufiger als Gesunde unter Bluthochdruck, Diabetes, erhöhten Blutfettwerten und Übergewicht leiden, sondern auch auf die erhöhte chronische Entzündung im Körper.

Dabei spielen die Dauer der Erkrankung und das Ausmass der Entzündung eine Rolle. So lassen einige Studien den Schluss zu, dass die effektive Entzündungskontrolle der Psoriasis-Arthritis mit sogenannten  krankheitsmodifizierenden Medikamenten und Biologika das Risiko für Psoriasis-Arthritis assoziierte kardiovaskuläre Erkrankungen senkt.

 

Die nicht durch Alkohol hervorgerufene Leberverfettung wird ebenfalls vermehrt bei Patienten mit Psoriasis und insbesondere bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis gefunden. Sie kann zu einer Leberentzündung (Hepatitis) mit Leberfunktionsstörungen und im Endstadium zur Leberzirrhose führen.

«Sicher spielen dabei das erhöhte Auftreten von Übergewicht, Diabetes und die Medikamenteneinnahme eine zusätzliche Rolle», betont Toniolo.  Auch am Auge kann es zu Manifestationen kommen  – insbesondere die Entzündung der mittleren Augenhaut «Uvea» mit schmerzhafter Lichtempfindlichkeit und Sehstörung ist hier zu nennen.

«Oft  geht vergessen, dass bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis durch den vermehrten Zellumsatz die Harnsäure zu hoch ansteigen kann und eine langfristig überhöhte Harnsäure Gicht mit starken Gelenk- und Weichteilentzündungen auslösen kann», weiss der Rheumatologe.

 

Begleiterkrankungen frühzeitig erkennen

Wichtig ist, dass diese Begleiterkrankungen frühzeitig erkannt werden. Dazu der Dermatologe Dr. Tobias Plaza: «Bei Patienten mit Psoriasis und Psoriasis-Arthritis werden die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen gemäss Richtlinien durchgeführt.

Dies gelingt meiner Erfahrung nach in der Praxis sehr gut.» Wichtig ist, laut Plaza, eine gute Beratung des Patienten, sodass der Patient die nötigen Zusatzuntersuchungen, die daraus resultierenden Behandlungsvorschläge und gegebenenfalls Anpassungen des Lebensstils versteht und trägt. Und was kann der Patient selbst tun, um mögliche Warnzeichen früh zu erkennen?

«Patienten sollten einerseits darauf achten, eine starke Krankheitsaktivität wie Hautbefall, Schmerzen der Gelenke und Wirbelsäule nicht zu akzeptieren, sondern zu behandeln – andererseits auf Warnsymptome wie zum Beispiel vermehrte Ermüdbarkeit, geringere Leistungsfähigkeit, Gewichtszunahme, Atembeschwerden, Unwohlsein, Durst, häufiges Wasserlösen, Brustschmerzen, Sehstörungen – um nur einige zu nennen – achten und diese umgehend dem Arzt mitteilen», rät Plaza.

 

Risikofaktoren für Begleiterkrankungen reduzieren

Gleichzeitig kann der Patient aber auch selbst einiges dafür tun, das Risiko für Begleiterkrankungen zu reduzieren.

Dazu Dr. Toniolo: «Risikofaktoren für kardiovaskuläre Begleiterkrankungen sind einerseits beeinflussbare Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen, Diabetes und eine zu hohe Entzündungsaktivität der Psoriasis-Arthritis – welche durch Medikamente effektiv behandelt werden kann –, andererseits nicht beeinflussbare Risikofaktoren wie Vererbung, Alter und männliches Geschlecht.»

Günstig wirkt sich daher eine gesunde Lebensführung mit ausgewogener Ernährung, Bewegung, Verzicht auf Rauchen sowie eine möglichst vollständige Kontrolle der Krankheitsaktivität durch Medikamente aus.

 

Zielgerichtete Therapie mit «Treat to Target»

Es gibt verschiedene Faktoren, welche die Erkrankung zu einer grossen Herausforderung machen: «Einerseits ist es für die Betroffenen im Alltag manchmal schwierig, da sie aufgrund der oft sichtbaren Ausschläge in unserer Gesellschaft wie Aussätzige behandelt werden.

Zum anderen ist die Krankheit nicht heilbar», erklärt Dr. Tobias Plaza. Ziel ist es also, einen Therapieweg zu finden, bei dem der Patient möglichst unbeschwert mit der Erkrankung seinen Alltag leben kann, ohne dauernd an die Psoriasis erinnert zu werden. Einen Beitrag dazu leistet das «Treat to Target»-Konzept. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Erwartungen an eine Therapie von behandelndem Arzt und Patient oft ganz gewaltig auseinandergehen, was zu Unzufriedenheit führen kann», so der Dermatologe.

Unter Treat to Target versteht man eine zielgerichtete Therapie. Das bedeutet, Arzt und Patient definieren gemeinsam realistische Ziele in der Behandlung der Psoriasis zum einen und der Begleiterkrankungen zum anderen. Das gemeinsame Erreichen der Ziele motiviert die Patienten und verhindert Missverständnisse in der Therapie.

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