War der Urknall der Ursprung allen Lebens? Selbst wenn diese Theorie zutrifft: Ohne Sauerstoff wäre Mutter Erde unbelebt geblieben.

«Der Sauerstoff ist nach neueren Erkenntnissen in Riesensternen entstanden», erklärt Dr. sc. nat. Albert Ganz, Apotheker FPH, «und wurde dann ins Weltall geschleudert.» Vor der Entstehung von Lebensformen enthielt die Atmosphäre keinen freien Sauerstoff.

«Wir atmen mit jedem Atemzug etwas der Entwicklungsgeschichte unserer Welt ein»

Und wie entstand die Luft, die wir heute einatmen? Albert Ganz weiter: «Die heutige Luft entstand erst, nachdem die Pflanzen begannen, Sauerstoff abzugeben.» Die Luft, die wir zum Leben brauchen, besteht aus rund 21 Prozent Sauerstoff.

«Wir atmen also mit jedem Atemzug etwas der Entwicklungsgeschichte unserer Welt ein», sagt Ganz.

Den Apotheker hat das Element Sauerstoff seit jeher fasziniert – insbesondere sein Aufbau. Das Sauerstoff-Atom gehört zu den kleinsten: Sein Kern besteht aus acht Protonen und acht Neutronen. Bei Normaltemperatur ist Sauerstoff ein geruchs- und farbloses Gas, das sich bei minus 183 Grad Celsius verflüssigt. Normaler Sauerstoff (das Oxygenium O2) reagiert heftig, wenn er sich mit anderen Elementen verbindet.

So lässt er Eisen zu Rost werden oder Holz in Feuer aufgehen. Was mit Sauerstoff in Berührung kommt, geht mit ihm eine Verbindung ein. «Glücklicherweise», so Ganz weiter, «braucht es dazu einen Anstoss, eine Energiezufuhr oder einen Katalysator.»

Denn praktisch alle Lebensformen – einige Bakterien und Kleinstlebewesen einmal ausgenommen – benötigen Sauerstoff in der Energie-Übertragung.

So wandeln grüne Pflanzen mit Hilfe von Sonnenlicht die Kohlensäure zu Sauerstoff und Kohlenstoff um. Die lebenden Organismen verbrennen Sauerstoff gezielt, um dafür Energie zu gewinnen. Jede Zelle besitzt einen individuellen Mechanismus, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Und wie gelangt der Sauerstoff von der Luft bis zur Zelle der Lebensform? Auch diese Aufgabe ist im Organismus perfekt geregelt: Sauerstoff wird über die Haut aufgenommen; Säugetiere besitzen Lungen und Fische Kiemen.

Die Aufgabe der Blutbahn ist es dann, den Sauerstoff bis in jede Zelle zu tragen. Wie sensibel der Mensch auf geringste Änderungen der Luftzusammensetzung reagiert, stellt man schon fest, wenn in den Bergen die Luft «dünner» wird.

Noch verbirgt der Sauerstoff Geheimnisse vor der Wissenschaft. Die Forschung weiss, dass sich Erkrankungen und schon deren Symptome allein durch reinen Sauerstoff beheben lassen. Albert Ganz nennt als Beispiel den Cluster-Kopfschmerz: «Dessen äusserst schmerzhafte Attacken lassen sich durch das Einatmen von Sauerstoff schnell auflösen.» Aber das Wie und Warum dieser Wirkung ist noch unbekannt.

«Wir können davon ausgehen», so Ganz, «dass der Sauerstoff noch andere unerkannte Mechanismen beeinflusst.» Die weitere Erforschung des Stoffs, der täglich unser Leben bestimmt, bleibt spannend.