Die Damen haben es mit schönen Schuhen besonders schwer. Der Unterhalt des entsprechenden Sortiments nimmt bei manchen eine Menge Zeit ein und kostet viel Geld. Und: Je schöner der Schuh ist, desto höher wird der Leidensdruck.

Der hat auch, aber weniger mit Shopping zu tun. Viel eher geht es um schmerzende Füsse.

Besonders Stöckelschuhe bergen verschiedene Risiken. «Natürlich sehen High Heels gut aus», sagt PD Dr. med. Arno Frigg, Facharzt FMH für Orthopädie und Unfallchirurgie. «Doch welchen Preis Frauen langfristig dafür bezahlen, können sie oft nicht einschätzen.»

Therapien und Operationen

Neben Überdehnungen und Zerrungen der Bänder durch Fehltritte und unsicheres Gehen gibt es ein Phänomen, das vor allem regelmässige und geübte Trägerinnen solcher Schuhe betrifft: ein sogenannter Spreizfuss, der sich als schmerzender Hallux valgus, Mittelfuss-Schmerzen, krumme Zehen oder einen umgekehrten Hallux – also eine krumme fünfte Zehe - bemerkbar machen kann.

«Schmerzt der Fuss und kann dies durch konservative Thera­pien wie dem Tragen weiterer Schuhe ohne Absätze nicht verbessert werden, empfehle ich eine Operation», sagt Frigg.

Von einem Hallux valgus können Männer und Frauen betroffen sein. Etwa die Hälfte der Fälle sind vererbt und entwickeln sich schon in jungen Jahren. Schmerzen lassen sich mit passendem Schuhwerk und dem Verzicht auf Stöckelschuhe verhindern.

Die anderen Fälle tauchen meistens im Alter von 40 bis 60 Jahren auf, weil der Fuss mit der Zeit durch das eigene Körpergewicht und die Schwerkraft platt gedrückt wird. «In High Heels drückt der grösste Teil des Gewichtes auf den Vorfuss. Es gibt so Druckspitzen, die das fünfzehn- bis zwanzigfache des Körpergewichtes erreichen», sagt Frigg.

Neben angemessenen Schuhen und allenfalls einer Gewichtsreduktion empfiehlt er dann auch Einlagen, Physiotherapie und Training für die Füsse: Einbeinstand und in die Kniebeuge gehen, 30 bis 60 Grad, dann auf den Zehenspitzen stehen, Handtücher mit den Füssen aufheben – sowohl morgens als auch abends. Zwei bis drei Minuten reichen, wie beim Zähneputzen.

Die Schlüsselloch-Methode

«Aus ästhetischen Gründen sollten keine Fussoperationen durchgeführt werden», betont Frigg. «Bei offenen Schnitten gibt es unter 20 bis 40 Prozent der operierten Patienten schmerzhafte Verwachsungen an den Narben, mit eingeschränkter Beweglichkeit der Zehen. Viele sind dann unzufrieden. Deshalb kommen heute vermehrt minimalinvasive Eingriffe wie die Schlüsselloch-Methode zur Anwendung. Bei dieser gibt es nur kleine Stiche an der Haut, was den Weichteilen weniger schadet und Verwachsungen und Vernarbungen vermeidet.»

In den USA gehen einige Chirurgen einen komplett anderen Weg und bieten kosmetische Eingriffe an, um die Füsse den Schuhen anzupassen.

«Meistens wird der Fuss schmaler gemacht, damit er in die engen High Heels passt», sagt Frigg. «Man kann sich also die Füsse nach seinem Lieblingsdesigner auf Mass schneidern lassen.»

Gesunde High Heels

Eine Absatzhöhe von drei oder vier Zentimetern ist noch nicht sehr belastend. «Eine gute Grundkondition ist ebenfalls wichtig», sagt Frigg. «Wer instabile Bänder hat und oft einknickt, riskiert Überdehnungen oder Zerrungen.

Ausserdem braucht es Abwechslung. Im Büro angekommen darf Frau durchaus in bequemere Schuhe wechseln. Das sieht ja kaum jemand. Inzwischen gibt es auch einzelne Schuh-Designer, die sich dem Problem bewusst sind und High Heels entwickeln, in die sie standardmässig ein orthopädisch gutes Fussbett einbauen, welches von aussen nicht sichtbar ist.»