Gleich nach der Geburt beginnt das Baby mit seinem ersten Schrei zu atmen – das ist ein natürlicher Reflex, der in den meisten Fällen einwandfrei funktioniert. Als Hebamme durfte ich dieses Glück und den Moment des ersten Atemzuges schon oft miterleben.

Während des Wachstums kann es jedoch zu Fehlentwicklungen im Kiefer, Gaumen und im Mundraum kommen, die unsere Atmung massiv beeinträchtigen. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 20 Prozent dieser Fehlbildungen angeboren sind. Mehrheitlich werden diese durch das Nuckeln am Daumen oder Schnuller verursacht.

Probleme der Mundatmung

Im Normalfall atmet ein Baby beziehungsweise ein Kleinkind durch die Nase. Im Inneren der Nase befindet sich eine Schleimhaut, die mit kleinen Härchen bedeckt ist. Das Einatmen durch die Nase reinigt und befeuchtet, wärmt oder kühlt die Luft.

Dieser natürliche Effekt verhindert unter anderem, dass Schmutzpartikel aus der Luft, Keime und weitere Krankheitserreger in unseren Körper gelangen. Es funktioniert wie ein Filter. Wenn wir durch den Mund atmen, fällt dieser Filter weg.

Somit wird das Kind anfälliger für Infekte. Nasenatmung führt im Vergleich zur Mundatmung zu einer ca. 10 bis 15 Prozent höheren Sauerstoffsättigung des Blutes – das ist entscheidend für das Wohlbefinden und die Gesundheit des heranwachsenden Kindes.

Babys und Kinder, die nachts durch den Mund atmen, schnarchen oft sehr stark und leiden zum Teil auch unter Schlafapnoen. Das heisst konkret: Sie haben immer wieder Atempausen, was sich negativ auf die Aufnahme von Sauerstoff auswirkt.

Die Kinder fallen nicht mehr in den Tiefschlaf, weil sie sich selber beim Ringen nach Luft aufwecken. Die verminderte Sauerstoffaufnahme erschöpft das Kind zusätzlich. Ein weiteres Problem ist das Austrocknen der Mundhöhle, welche die Schutzfunktion des Speichels in Bezug auf Karies reduziert.

Dies wiederum begünstigt Entzündungen der Schleimhäute und des Zahnfleisches. Die Mundatmung beeinträchtigt ausserdem das ideale Klima zur Bildung von wichtigen Bakterien und Verdauungsenzymen im unserem Speichel. Das wirkt sich negativ auf die Verdauungs- und Mundgesundheit aus.

Mundgerechte Schnuller

Die Zunge drückt den Oberkiefer in die Breite und begünstigt so eine gesunde Entwicklung des Gaumens und der Zahnstellung. Unser Kiefer entwickelt sich natürlich während des Wachstums und durch die Nahrungsaufnahme als Baby beim Saugen.

Schnuller, die nicht mund- und kiefergerecht konzipiert sind, sowie das Nuckeln am Daumen verursachen bei Kindern unnatürliche Druckverhältnisse im Mund. Solche Kinder haben die Zunge durch die Form des Schnullers unnatürlich nach unten gelegt.

Sie gewöhnen sich an die Fehlhaltung der Zunge und halten sie auch ohne Schnuller/Daumen nach unten. Das bewirkt wiederum, dass sich der Zahnbogen durch den fehlenden Druck der Zunge nicht nach oben ausdehnt – Zähne und Zunge finden am Gaumen keinen Platz.

Die Folge – das Kind atmet durch den Mund. Schnuller, die der Anatomie des Babymundes angepasst sind, können hingegen viel Gutes bewirken. Eine gesunde Atmung ist für Kleinkinder besonders wichtig.

Was wir im Kindesalter verpassen, kann möglicherweise ein Leben lang einen negativen Einfluss auf uns haben. Wenn wir allein schon durch den Einsatz des richtigen Schnullers so viel bewirken können, sollten wir so schnell wie möglich damit beginnen.

Dayo Oliver

Hebamme aus Leidenschaft

Dayo Oliver kam 1981 in Zug als Tochter einer Schweizerin und eines US-Amerikaners auf die Welt. Nach der Matura auf einer internationalen Schule besuchte sie die Hebammenschule St. Gallen.

Seit 2006 arbeitet sie als diplomierte Hebamme. Während zwei Jahren wirkte Dayo Oliver nebenberuflich in einer Arztpraxis mit Spezialgebiet Fertilitätsprobleme und künstliche Befruchtung. An einem renomierten Zürcher Spital arbeitet sie im Gebärsaal und auf dem Wochenbett, hält Kurse und steht auch in der Akupunktur-Sprechstunde sowie in der Praxis der Frauenklinik zur Verfügung.

Seit Beginn ihrer Ausbildung hat sie rund 300 Kinder zur Welt gebracht. Der Beruf als Hebamme ist für Dayo Oliver mit viel Leidenschaft verbunden. Sie lebt seit 19 Jahren mit ihrem Partner in einer festen Beziehung und ist Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter.