Rauchen schädigt die Gesundheit, dies ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Nikotinkonsum ist einer der grössten Risikofaktoren für Herz-Kreislaufkrankheiten. Daneben werden vor allem die Atemwege durch den ständigen blauen Dunst geschädigt.

«Heute ist mir klar, wie viel Zeit mich das Rauchen pro Tag gekostet hat. Zeit, die ich nun gesünderen und angenehmeren Dingen widmen kann»

Dies ist eine der häufigsten Ursachen für Lungenkrebs und chronische Atemwegserkrankungen. Aus öffentlichen Räumen und vom Arbeitsplatz ist das Rauchen inzwischen grösstenteils verbannt, dennoch schaffen viele Menschen den Sprung zum Nichtraucher nicht.

Das Projekt «Unternehmen rauchfrei» der Lungenliga setzt am Arbeitsplatz an und soll  dazu beitragen, dass rauchende Arbeitnehmende gemeinsam von der Zigarette loskommen, indem es sich die positiven Auswirkungen der Gruppendynamik zunutze macht.

Doch nicht nur im Hinblick darauf, dass sich ein Rauchstopp positiv auf die individuelle Gesundheit auswirkt. Es setzt auch gesellschaftlich wichtige Signale.

In der Gruppe geht es leichter

Wenn sich Unternehmen für die Gesundheit ihrer Arbeitnehmenden engagieren und sie bei der schwierigen Entwöhnung unterstützen lohnt sich das zudem in finanzieller Hinsicht.

Denn rauchende Arbeitnehmer können durch erhöhte Krankheitsquoten und darauf resultierenden Absenzen, sowie vermehrte Rauchpausen während der Arbeitszeit zusätzliche Kosten für das Unternehmen verursachen. Laut Lungenliga belaufen sich die geschätzten zusätzlichen Kosten pro rauchendem Mitarbeiter zwischen rund 1500 und 2500 CHF im Jahr.

Aber das war für Jürg Wägli nicht das vorrangige Motiv, endlich der Zigarette den Kampf anzusagen. Wägli ist Direktor des Berner Reha Zentrums Heiligenschwendi und tagtäglich mit Patienten, die unter starken Lungenkrankheiten leiden, konfrontiert. Er rauchte selbst seit 30 Jahren ein Päckchen Zigaretten am Tag, was für ihn mit seiner Vorbildfunktion Patienten und Mitarbeitenden gegenüber irgendwann nicht mehr zusammenpasste. Es war für ihn eine Frage der grundsätzlichen Einstellung.

So beschloss Wägli, gemeinsam mit anderen Mitarbeitenden des Reha-Zentrums selbst an dem Projekt «Unternehmen rauchfrei» der Lungenliga teilzunehmen. Mit Erfolg.

Die Lust auf die Zigarette ist fast vollständig verschwunden. Nicht zuletzt, weil er in dem Entwöhnungsprozess auch gelernt hat, seine Verhaltensmuster, die oft auf die Zigarette zwischendurch ausgerichtet waren, mit anderen Dingen zu kompensieren. «Cola-Gummibärli helfen da ganz gut», lacht Wägli.

Adé zur letzten Zigarette

Das «Unternehmen rauchfrei» der Lungenliga umfasst die persönliche Prozessbegleitung im Unternehmen, die Infoveranstaltung «Let's talk about smoking» sowie die mehrtägigen Rauchstopp-Trainings. In sechs Sitzungen innerhalb sechs Wochen haben es Wägli und die anderen Teilnehmer (alle?) geschafft. Die Gruppendynamik sei in diesem Prozess in der Tat nicht zu unterschätzen.

«Gemeinsam haben wir in der fünften Sitzung in einer feierlichen Abschiedszeremonie unsere letzte Zigarette geraucht», erzählt Wägli, das habe für ihn nachhaltige Wirkung gehabt. Für den Kurs mussten die Teilnehmer einen kleinen Eigenkostenanteil tragen, was Wägli aber auch befürwortet. Dies erhöhe die Motivation, nach dem Motto: «Was nichts kostet, taugt auch nichts.»

Für Wägli, der den Anstoss für das Projekt in seinem Betrieb gab, war ein Schutz vor Passivrauchen der anderen Mitarbeitenden nicht massgebend. «Unsere Räume und der grösste Teil des Aussengeländes sind bereits rauchfrei.» Wichtiger war ihm vielmehr das Rauchen grundsätzlich in der Belegschaft zu thematisieren. Und in der Gruppe sei es nachweislich leichter, diesen Schritt zu gehen.

«Ich habe es mir viel schwieriger vorgestellt», sagt Wägli rückblickend. Und mit Blick auf seine derzeitige Lebensqualität ohne Zigarette meint er: «Es ist ein ganz neues Lebensgefühl!» Das bezieht sich nicht nur auf die Gestaltung seiner Arbeitspausen, sondern auch auf seine Freizeitaktivitäten.

«Heute ist mir klar, wie viel Zeit mich das Rauchen pro Tag gekostet hat. Zeit, die ich nun gesünderen und angenehmeren Dingen widmen kann.» Wägli hofft, dass nun auch weitere Raucher unter seinen Mitarbeitenden den Mut haben, endlich aufzuhören. Er kann anderen Führungskräften nur empfehlen, in ihren Massnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) auch das Thema Nichtrauchen proaktiv anzugehen.