Thomas Zünd, Sie sind Lufthygieniker. Wie steht es um die Qualität der Schweizer Luft?

Seit die Luftreinhalteverordnung Ende 1985 in Kraft trat, hat sie sich kontinuierlich verbessert. Schadstoffe wie Schwefeldioxid, das von Heizungen stammte, sind heute kaum noch messbar.

Beim Ozon wurden marginale Verbesserungen erreicht, der Gehalt klettert nur noch selten auf frühere Spitzenwerte.

Wie wird die Luftverschmutzung eigentlich gemessen?

Kantone und Bund nehmen autonom Messungen vor. Alle halbe Stunde werden Stoffe wie etwa Stickstoffdioxid und Feinstaub gemessen, um zu kontrollieren, ob Grenzwerte überschritten werden.

Die Luft wird von einer Vakuumpumpe ins Messgerät gesaugt und dort analysiert, Staubpartikel werden auf einen Filter ausgeschieden, so dass die Konzentration von einem Mikrogramm pro Kubikmeter sichtbar wird.

Zusätzlich werden spezielle Messungen vorgenommen, etwa bei Betrieben mit hohen Emissionen oder in Klagefällen.

Wann und wo ist in der Schweiz die Luft am klarsten?

Wenn es regnet, ist sie am saubersten, denn der Regen wäscht Staub und andere wasserlösliche Substanzen aus, hält Pollen am Boden. Was als «schlechtes Wetter» gilt, ist also beste Voraussetzung für gute Luft.

Worauf ist die Verunreinigung von Innenluft vor allem zurückzuführen?

Die Einrichtung sorgt bereits für eine Grundbelastung: Teppiche, Vorhänge, auch Kleider und Haustiere. Was viele vergessen: Die moderne Küche verteilt im Vergleich zu früher, als sie noch abgetrennt war, ihre Emissionen durch die ganze Wohnung. Auch das Rauchen sorgt für starke Partikelkonzentration.

In modernen Bauten kann der Bewohner nicht mehr selbst lüften, das Klima wird gesteuert – ein Nachteil?

Noch immer bilden sich viele Menschen ein, technisch gereinigte Luft könne nie so gut sein wie Luft durchs Fenster. Die Messung von Schadstoffen in der Luft würde zeigen, gefilterte ist besser.

Viele glauben, Waldluft sei «gesünder». Was sie riechen, ist von ätherischen Ölen der Bäume angereicherte Luft. Die muss deswegen nicht sauberer sein.

Ein Problem mit technisch gereinigter Luft ist allein die Handhabung: Manche Mieter und Eigentümer sind schlicht überfordert, ersetzen etwa die Filter nicht regelmässig.

Dr. Alexander Turk, Sie sind Pneumologe. Wirkt sich schlechte Innenluft auf die Gesundheit aus?

Weltweit wird vor allem in Entwicklungsländern in schlecht gelüfteten Räumen am Holzfeuer gekocht. Das führt dazu, dass die Menschen und vor allem die Frauen Rauch und Staub ausgesetzt sind.

Dies befördert wie das Rauchen oder Passivrauchen die Entwicklung einer  COPD. In unseren Breitengraden sind es mehr Kerzen, Räucherstäbchen und schlecht funktionierende Dampfabzüge, welche zu einer Feinstaubbelastung führen und die Atemwege reizen können.

Immer mehr Menschen arbeiten in Grossraumbüros. Problematisch?

Was den CO2-Gehalt angeht schon. Steigt er an, sinken Konzentration und Leistungsfähigkeit. Aus schlecht gewarteten Druckmaschinen entweichen Nanopartikel, was zu asthmatischen Beschwerden führen kann. Ein Drucker sollte darum möglichst in einem abgetrennten Raum stehen.

Macht die Forschung Fortschritte?

Zu Lungen- und Herzgefässerkrankungen sind einige Forschungen im Gang. Untersucht wird nun auch, ob das Einatmen von Partikeln Schäden im Gehirn anrichtet.