Neue Wunde - und jetzt?

Der Co-Präsidentin der Gesellschaft für Wundheilung (SAfW) fällt auf, dass immer mehr Patienten eine Verwundung als Notfall anmelden, die keiner ist. «Hingegen gibt es immer wieder Verletzte», so Doris von Siebenthal weiter, «die eine kleine Wunde als Lappalie abtun, obwohl sie in ärztliche Pflege gehören würden.» Hier besonders erwähnenswert: Wunden bei Diabetes Betroffenen!

Oft vernachlässigt wird der Biss eines Tiers oder Menschen. Gerade spitze Katzenzähne hinterlassen kaum wahrnehmbare Spuren, können aber zur Infektion führen. Weitverbreiteter Irrtum: Durch Starrkrampfimpfung sei man geschützt. Diese nützt gegen Tetanus, aber nicht gegen einen Infekt durch Bakterien, die bei Tieren häufig vorkommen.

In die Erste-Hilfe-Apotheke gehören blutstillende Watte, sterile Kompressen, Pflaster oder Wund-Folie zum Zuschneiden.


Ganz banal, aber wichtig in der Erstbehandlung: Wer die Wunde richtig ausspült, hat schon Schadensbegrenzung betrieben.

Sinnvoll kann ein desinfizierender Spray sein. Fast unnötig zu erwähnen, dass die Materialien steril gehalten werden sollen.

Dabei empfiehlt sich, das Haltbarkeitsdatum zu überprüfen. Falsch ist es, Verbrennungen mit kaltem Wasser oder Eis zu schocken. Zur Schmerzlinderung können kleinere Verbrennungen mit handwarmem Wasser gekühlt werden. Obwohl der kühlende Effekt wohltuend ist, besteht die Gefahr einer Unterkühlung.

Häufige Fehler

Der wohl häufigste Fehler in der Selbstbehandlung: die Wunde trockenzulegen. Wundheilung benötigt Feuchtigkeit. Wird die Verletzung der Epidermis, der obersten Hautschicht, richtig behandelt, hinterlässt die Wunde keine Narbe. Darunter liegt die Dermis (mit komplexen Strukturen wie Nerven und kleinen Blutgefässen).


Kratzt man den Schorf ab, kann sich die Wunde vertiefen und es folgt die Vernarbung.
 

Ist die Wunde behandelt, soll sie ungestört bleiben – auch das allzu häufige Wechseln des Verbands ist zu unterlassen. Verletzte Glieder sollten generell nicht abgebunden, sondern hoch gelagert werden. Von Wundpuder hält von Siebenthal wenig.  Denn Puder schafft meist keine guten Voraussetzungen für die Wundheilung.

Wir sind es gewohnt, dass Wunden ohne Komplikationen «von selbst» abheilen. Dennoch ist der Vorgang hochkomplex. Und komplexer, wenn man nicht gesund ist.

So verlangsamt sich der Prozess bei Jugendlichen, die sich ungesund ernähren, oder älteren Menschen, die nicht mehr richtig essen. Auch bei Menschen mit chronischen Erkrankungen ist die Heilung erschwert.

Doris von Siebenthal weist auf eine derzeitige Umstrukturierung der Kostenverteilung hin. Denn seit einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts im 2017 übernehmen die Krankenkassen das Pflegematerial nicht mehr, wenn es von professionellen Pflegefachpersonen angewendet wird.

Damit entsteht ambulant tätigen Pflegenden und Pflegeheimen ein Finanzierungsproblem, das nun baldmöglichst durch neue kantonale Grundlagen behoben werden soll, wünscht sich von Siebenthal.

www.safw.ch